Zwei Faktoren haben mich zur Überlegung und Entwicklung dieses speziellen Teilgebiets meiner Tätigkeit angeregt:
Erstens die Tatsache, dass jede Berufsgruppe eigene mehr oder weniger charakteristische gesundheitliche Probleme hat. Bei Künstlern ist dieser Zustand sehr typisch. Z.B. haben die Musiker abhängig von ihren Instrumenten oft Probleme mit den Gelenken und Weichteilen des Bewegungsapparates, die sich vorwiegend in den Händen, Armen und im Schultergürtelbereich zeigen. Die Tänzer leiden unter Problemen, die eher die Beine und den Rückenbereich betreffen. Die Sänger sind mit Stimmbandbeschwerden und ähnlichem konfrontiert, usw.
Der zweite Grund hat mit der besonderen Sensibilität der Künstler zu tun. Wie allgemein bekannt ist, sind Künstler generell empfindsame Menschen. Die traditionelle Sicht der TCM und der Akupunktur klassifiziert die Patienten nach ihren aktuellen Beschwerden bzw. dem ganzheitlichen konstitutionellen Zustand. Jedoch spielen bei den Therapieprinzipien die individuellen körperlichen und mentalen Eigenschaften des Patienten keine große Rolle. Die Eigenschaften, die bei Entstehung und Verlauf der Erkrankung nicht unbedingt und unmittelbar eine Rolle spielen, tun dies sehr wohl aber bei der Therapie und müssen daher genauer gesagt besonders bei der Dosierung berücksichtigt werden. Diese Tatsache ist zum ersten Mal von Felix Mann, einer der Pioniere und bekanntesten Akupunkteure Europas geäußert worden. Er hat nach Jahrzehnten der Beobachtungen die Wichtigkeit der individuellen körperlichen und mentalen Kondition des Patienten als einen der wesentlichsten Faktoren im Behandlungserfolg anerkannt und therapeutische Konsequenzen daraus gezogen. Er hat bemerkt, dass eine starre und einheitliche Therapieart trotz richtig gewählter Therapieprinzipien sogar erfolglos bleiben kann, wenn sie nicht mit korrekter, individueller Dosierung durchgeführt wird. Daher sollte der Arzt diesen Sensibilitätsgrad des Patienten bei jeder Therapiemethode und vor allem bei Modalitäten der Biologischen Medizin unbedingt in die Behandlung einkalkulieren und danach behandeln. Die genante Sensibilität hat nichts mit Körperschwäche bzw. -stärke und Körperbau zu tun. Es ist eher ein innerer Charakter, der sich am besten in Verhalten, Körpersprache und Reaktionen zeigen kann.
Offensichtlich muss bei Künstlern gerade wegen ihres sensiblen Wesens dieser Punkt unbedingt berücksichtigt werden.
Mag sein, dass verschiedene Künstler andere physische Probleme haben. Z. B. ist ein Tänzer bzw. Tänzerin anderen körperlichen Aktivitäten und Belastungen ausgesetzt als ein Musiker. Jedoch zwei Komponenten sind bei allen fast immer dieselben: erstens wie oben erwähnt, sind sie empfindsame und sensible Menschen, zweiten sind sie fast immer unter körperlichem und psychischen bzw. mentalen Stress und Überforderung. Diese zwei Faktoren müssen immer bei der Behandlung eines Künstlers berücksichtigt werden. Danach kommen spezifische und eine bestimmte Kunstart mehr betreffende Probleme…
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